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Toleranzgruppe am Gymnasium Eckental

Peerguide Jüdisches Leben in Forth



Prämiertes
„Peerguide-Führungskonzept“ am GymEck

„1800 lebten mehr Juden als Christen in Forth“

Mit diesem Satz brachten die Schülerinnen Emma Falter, Nela Frischholz und Lina Valta der 10. Jahrgangsstufe die Teilnehmer der historischen Führung am 9.11.2017 zu dem Thema „Jüdisches Leben in Forth“ in Anbetracht der bekannten Verbrechen durch die Nationalsozialisten zunächst ins Staunen. Anlässlich des Gedenktages der Reichspogromnacht 1938 besichtigten die Klasse 9a, der Geschichtskurs 2G5 mit Herrn Michl und weitere interessierte Teilnehmer verschiedene Stationen des damaligen jüdischen Lebens in Forth. Mit zusätzlichem Bildmaterial veranschaulichten die drei Peerguides während der Exkursion die Vorträge zur geschichtlichen Entwicklung des jüdischen Lebens von der Ansiedlung, dem langen Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung bis zur Verfolgung und Vertreibung. Neben jüdischen Häusern und dem Platz der damaligen Synagoge lernten die Anwesenden ebenso das Büger Schloss kennen, in dem einst jüdische Kinder lebten. Besonders interessant waren Erzählungen vom Leben und Schicksal einzelner Personen.


Die Ausbilderin der „Peerguides“, die Eckentaler Historikerin Frau Dr. Martina Switalski, teilte den Schülern eigene Erfahrungen im Zuge der wissenschaftlichen Recherchearbeiten zur Erarbeitung der jüdischen Geschichte in Forth mit. Aufgrund mangelnder verlässlicher Quellen, schwieriger Umgangsweise mit den Tätern der NS-Zeit und fehlender Akzeptanz in einigen Teilen der Bevölkerung seien verschiedene Erschwernisse zu überwinden gewesen. Dennoch konnten die drei Schülerinnen mit ihrer Hilfe das Thema sehr informativ ausgestalten und die fortwährende Prägung der Lebenswelt durch die jüdische Bevölkerung bzw. das vor der Nazi-Herrschaft selbstverständliche Zusammenleben der Menschen in der dörflichen Gemeinschaft verständlich machen.



Besonders der lokale Bezug unterstütze die Vorstellungskraft – unvorstellbar zu wissen, dass fünf Minuten vom eigenen Zuhause der Holocaust so spürbar vertreten war. – Nicht nur für uns Schüler war es eine Bereicherung, von Schülerinnen geführt zu werden, auch das außerschulische Publikum war beeindruckt, dass sich junge Leute mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Im Anschluss fand vor der Forther-Stehle die Gedenkfeier anlässlich der Erinnerung an die Schrecken der Reichspogromnacht 1938 statt.

Das Führungskonzept „Schüler führen Schüler“ wurde vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) in Zusammenarbeit mit dem Gedächtnisbuch Dachau und dem NS-Dokumentationszentrum München eingeladen, um zu zeigen, wie Erinnerungsarbeit an den Holocaust aussehen kann, nachdem keine Zeitzeugen mehr über Verfolgung, Deportation und die KZ berichten können. Aus diesem Grund wurde die Exkursion von einem Kamerateam begleitet, um das Eckentaler Projekt dort vorzustellen.

Michelle Brüderer (Q12), Frank Hengelein (Q12)