OperationRosa
Toleranzgruppe am Gymnasium Eckental

Eine unterschätzte Erkrankung



Woran denkst du, wenn jemand zu dir sagt „Mir geht es gerade nicht so gut“?

Wahrscheinlich denkt ihr eher an: „Ich bin erkältet“ oder „Ich habe Kopfschmerzen“ oder eben etwas in diese Richtung.

Aber habt ihr schon einmal daran gedacht, dass diese Person vielleicht meint: „Ich kann seit Wochen nicht schlafen, mir macht nichts mehr Spaß, ich hasse mich selbst, ich will nicht mehr leben.“

Ich finde, dass es zu viele Vorurteile über Depressionen gibt. Man sagt oft, dass diese Krankheit nur schwache Menschen trifft, aber oft ist das Gegenteil der Fall. Es sind oft die Menschen, bei denen man es nicht erwartet hätte. – Denkt mal an eine Person mit Depressionen. Hättet ihr das erwartet?

Man fragt sich auch oft, ob diese Personen sich nicht einfach zusammenreißen können, genauso wie wir, wenn es eben gerade nicht so gut läuft. Aber für die Betroffenen ist das alles andere als einfach. Ihr könnt es euch bestimmt nicht wirklich vorstellen, aber wenn man es als Metapher veranschaulicht, dann wäre es so, dass –  an manchen Tagen – die Depression so klein wie ein Glühwürmchen auf der Tatze eines Bären ist. Am nächsten Tag ist sie aber der Bär selbst. An diesen Tagen stellt man sich tot, bis der Bär einen in Ruhe lässt. Übertragen auf das menschliche Verhalten heißt das, man bleibt den ganzen Tag in seinem Bett und man will nicht mehr rauskommen. Das sind dann die dunklen Tage. Aber wenn wir jetzt bei der Metapher bleiben, könnte man doch sagen: „Mach dir doch ein paar Kerzen an“. Aber dann denkt man an verbrannte und eben verlorene Erinnerungen.

Um der betroffenen Person aus dieser tiefen Situation rauszuhelfen, sagt man oft „steh doch auf und geh unter Leute“ oder „lach doch mal“. Aber diese gut gemeinten Sätze bringen meist nur das Gegenteil. Sie fühlen sich noch mehr isoliert und missverstanden.

Die häufigste Ursache für Suizide sind noch immer Depressionen. Deshalb hat man jedes Mal Angst, wenn man in der Früh aufsteht und man könnte den Betroffenen nur noch tot wiederfinden. Aber diese Angst ist nicht nur nachts da, sondern auch tagsüber, wenn z.B. die Person einige Minuten später als gewohnt nach Hause kommt. Man kann sie nicht mehr alleine lassen, ohne Angst zu haben und man muss auf vieles aufpassen.

 Das war´s eigentlich schon fast mit meinem Poetry Slam, aber eins will ich noch sagen. Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Man sagt, dass jeder Fünfte in Deutschland früher oder später an Depressionen leiden wird. Ich hoffe, dass diese Krankheit keinen von uns hier betreffen wird. Natürlich wünscht man es niemanden auf der Welt.
LDÜN